Die Geschichte und die Wiedererweckung eines alten Dorf-Treffpunktes...

 

Die Wasserversorgung der Gemeinde Bitzen erfolgte in früheren Jahren über gegrabene Brunnen (sogenannte "Pötze"). Diese befanden sich zunächst als Privateigentum in unmittelbarem Hofbereich oder, wie auch heute noch in alten Gebäuden hier und da anzutreffen, im Keller des Hauses. Die Zunahme der Bevölkerung erforderte schließlich die Bereitstellung öffentlicher Wasserstellen.

Bereits im Jahre 1763 nannte man in Dünebusch eine Siedlungsstätte „im Bornhoff“. Es ist anzunehmen, dass es sich hierbei um diesen Bereich der unteren Brunnenstraße handelte.
Hier an dieser Stelle steht heute der einzig noch erhaltene, öffentliche Brunnen der Ortsgemeinde Bitzen. Das Wasser dieses Brunnens, der nach Aussage von Gemeindebürgern auch in regenarmen Jahren nicht zum Versiegen kommt, wurde sowohl als Nahrungsmittel, als auch zum Waschen genutzt. An Gemeinschaftswaschtagen trafen sich die Frauen hier zur Verrichtung ihrer Arbeit. Die gegenüberliegende, gemeindliche Wiesenfläche diente dann als Bleichplatz zum Auslegen der Wäsche. Diese Fläche trägt noch heute den Namen „auf der Bornenwies“ als Katasterbezeichnung.
Der Brunnen hat heute eine Tiefe von ca.3,5 Metern, und einen Wasserüberlauf nach 1,2 Metern, Oberkante Brunnenrand. Im Boden ist er rechteckig mit Bruch- und Ziegelsteinen gemauert. Die Maße der Ausmauerung betragen 90 cm x 80 cm. Somit besitzt er ein Fassungsvermögen von ca. 1,6 qm Wasser.
In den zurückliegenden Jahrzehnten war dieser Platz als Treffpunkt mehr und mehr in Vergessenheit geraten. Somit ist es nicht verwunderlich, dass ein Verfall des Brunnenhauses eintrat, der schließlich zur Gefahr für Kinder zu werden drohte.


Bei der Gemeindebegehung des Ortsgemeinderates im Jahre 2005 konnte sich dieser hiervon überzeugen. Einhellig war man der Ansicht Abhilfe schaffen zu wollen. In einer ersten Bauausschußsitzung, am 22. Juni 2005 vor Ort, wurden die Grundlagen zur Sanierung von Platz und Brunnen festgelegt. In der Ortsgemeinderatssitzung vom 12. August 2005 folgte der Rat diesen Vorschlägen in einem einstimmigen Beschluß. Im Nachbarort Forst konnte ein Posten Kopfsteinpflaster erworben werden, welcher von Gemeinderatsmitgliedern in Eigenleistung verladen und hierher verfrachtet wurde. Damit wurde zunächst die kreisförmige Fläche für die Sitzgruppe geschaffen. Anschließend musste das alte Brunnenhaus abgebrochen und mittels Betonringen ein neuer, diesmal runder, Brunnenaufbau geformt werden. Dieser Brunnenkörper wurde ebenfalls mit Steinen verkleidet und schließlich mit der Straßen- und der Kreisfläche verbunden. Neben dem Brunnen entstand ein Bodenablauf, der zur späteren Einrichtung einer Wasserzapfstelle vorgesehen war. Der beim Abriss des alten Brunnenhauses zutage getretene Brunnenstein, auf dem früher die Eimer nach dem Hochziehen abgestellt wurden, ist ebenfalls in die Pflasterfläche integriert worden. Federführend bei diesen Arbeiten war Hans Rudolf Hofmann aus Bitzen, der gemeinsam mit dem, leider inzwischen verstorbenen, Gemeindebürger und Anlieger Rolf Schröder, diese Gestaltung fachgerecht und geschmackvoll durchführte. Hilfestellungen erhielten beide durch Anlieger und Mitglieder des Gemeinderates.
In der Ortsgemeinderatssitzung vom 8. November 2005 konnte vermeldet werden, dass die Pflasterarbeiten abgeschlossen sind und der Brunnen mit einer provisorischen Abdeckung versehen wurde. Die weiteren Arbeiten sollten im Frühjahr 2006 fortgesetzt werden.

Häufig kommt es jedoch anders als geplant. So auch in diesem Fall. Erst am 29. Juni 2006 kann sich der Bauausschuß erneut mit dem Thema Brunnenplatz Dünebusch befassen. Die hierbei ausgearbeiteten Vorschläge werden in der Ortsgemeinderatssitzung vom 11. Juli 2006 beschlossen und lauten:

1. Der Brunnenrand soll eine Abdeckung aus Naturstein erhalten.
2. Die Wasserfläche soll mittels verzinktem Abdeckgitter gesichert werden.
3. Eine Plexiglasabdeckung soll der Wasserverschmutzung durch Laubfall usw. vorbeugen.
4. Die Finanzierung dieser Maßnahmen soll über das Sparkonto „Sitzungsgelder“ der Ortsgemeinderatsmitglieder erfolgen.
5. Eine urige Sitzgruppe, bestehend aus Tisch und zwei Bänken, soll erstellt werden.
6. Eine Schwengelpumpe als Wasserzapfstelle soll angeschafft und installiert werden.
7. Eine Brunnenüberdachung soll zu einem späteren Zeitpunkt ins Auge gefasst werden.
8. Nach Fertigstellung aller Maßnahmen soll eine offizielle Einweihung der Anlage erfolgen.

In der darauffolgenden Zeit wurden die beschlossenen Maßnahmen durchgeführt.

Zunächst mußte das Gitter mit Halterung für die Plexiglasabdeckung gefertigt und angebracht werden. Diese Arbeiten wurden durch die "Garagencrew" aus Fürthen vollständig kostenlos durchgeführt. Die nachfolgende Einfassung des Brunnenrandes übernahm die ortsansässige Firma Jörg Schneider. Die Plaxiglasabdeckung wurde durch Roman Ehrlich, der auch die Beschneidung der Linde übernommen hatte, besorgt und der Ortsgemeinde kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Sitzgruppe wurde durch die Ratsmitglieder Heinz Otto Lück und Reinhard Schneider gefertigt, die schließlich auch die Materialkosten hierfür übernahmen.

In der Ortsgemeinderatssitzung am 31. Oktober 2006 konnte die Fertigstellung der Maßnahmen, mit Ausnahme der Zapfstelle vermeldet werden. In Anbetracht der fortgeschrittenen Jahreszeit sollte dieses, zusammen mit der Einweihung, im kommenden Jahr erfolgen.

Die Zapfstelle ist fertiggestellt. Pumpe, Standrohr usw. wurden mit einer großzügigen Spende unseres, inzwischen leider verstorbenen, Ehrenbürgers und Brunnenstraßenanliegers Helmut Hörster erworben. Den Pumpenanker erstellte und stiftete Klaus Lindenpütz. Die Kosten für die Fundamentierung übernahm Edgar Peters.

Unser Appell an alle Gemeindebürger lautet:
 - Nutzt bitte den Platz und macht wieder das aus ihm, was er dereinst war: einen Treffpunkt.
 - Pflegt bitte diesen Ort auch weiterhin, denn er ist ein Stück Dorfgeschichte.
 - Zeigt bitte euren Kindern und Enkeln, woher das Wasser kommt – aus der Erde – und nicht nur aus einer Leitung in der Wand.